Rogáč – Archäologie

SPÄTE BRONZEZEIT – Stufe Ha A (1200 – 1000 v. Chr.)

Eine bescheidene archäologische Untersuchung aus dem Jahr 2016 führt zu dem vorläufigen Ergebnis, dass Menschen in der späten Bronzezeit in Dvor eine Unterschlupfsiedlung errichteten, wie dies schon von Anton Kores und Ignacij Orožen vermutet war.

Die terrassenartige Anordnung der Siedlung am südlichen Steilhang und hoch über dem Tal weist zweifellos auf die Gefahren hin, die in dem steirischen Fluss-Unterland lauerten. Bedeutsam ist eine promte Unterbrechung mit den alten Traditionen und der Entstehung neuer Traditionen, die nicht nur die Draulandschaft, sondern ganz Mitteleuropa umfassen.

Zur Zeit der Entstehung der Terrassensiedlung werden große soziale Unruhen im östlichen Mittelmeerraum verzeichnet. Einst blühende Städte wurden zerstört und niedergebrannt – die damaligen Zentren wirtschaftlicher Macht, darunter Homerisches Troja. Die einst mächtige Staaten im Nahen Osten brachen zusammen und ihre weitere Entwicklung wurde unterbrochen. Nur Ägypten unter die Herrschaft von Ramses III. (ca. 1189 – 1155 v. Chr.) konnte sich dem völligen Niedergang entziehen. Aufgrund der wirtschaftlichen Erschöpfung durch ständige Zusammenstöße mit Nachbarn und räuberische Einfälle von Seevölkern erreichte das ägyptische Königreich nie wieder die einstige Größe aus der Regierungszeit von Ramses II (ca. 1279 – 1213 v. Chr.).

Die Hauptursache für Unruhen im östlichen Mittelmeerraum Ende des 13. bis Anfang des 12. Jahrhunderts v. Chr. führen viele Forscher auf Wetterphänomene zurück. Eine deutliche Klimaabkühlung führte zu einer längeren Trockenperiode. Schriftliche Quellen der damaligen Zeit dokumentieren die große Nahrungsmittelknappheit, was die Menschen in Raubzüge und Massenmigrationen treiben sollte.

Vielleicht erreichte eine Welle der Unruhen aus der Welt der Hochkulturen auch Mitteleuropa? Oder ging es nur um eine lokale Reaktion auf die Wetterumschwünge zu Beginn des 12. Jahrhunderts v. Chr., die die Völkerwanderungen und damit Unruhen im Tiefland Mitteleuropas auslöste. Infolgedessen hat sich zumindest vorübergehend eine neue Überlebensstrategie in der Bergwelt etabliert. Vielleicht hängt das massenhafte Auftreten von Brandbestattungen in Mitteleuropa auch mit dem Versuch der Verhinderung der Ausbreitung von Infektionskrankheiten zusammen, die ständige Begleiter hungermüder Menschen waren.

Die Flüchtlingssiedlung auf Rogáč wird durch zwei vergrabene Schätze in denen Bronzezeitgegenständen aus der weiteren Umgebung der Siedlung zu finden waren, eingerahmt. Die beiden Schatzvergrabungen deuten darauf hin, dass es auch hier Unruhen gab. Ihre Besitzer kehrten nie wieder zurück. Kurz vor der entstehung der Fluchtsiedlung auf  Rogáč (um 1300 – 1200 v. Chr.) wurde im naheligenden Ort Cerovec unter der Hochebene Boč ein kleiner Schatz ganzer Bronzegegenstände (2 Äxte, 3 Sicheln) vergraben. Zu dieser Zeitspanne gehört auch eine Bronzeaxt, die im Ort Rogatec entdeckt wurde. Ein viel größerer Schatz aus zerstückelten Bronzegegenständen (3 Schwerter, 17 Äxte, 10 Speere, 19 Sicheln, 5 Rasiermesser/Messer, 2 Meißel/Ahlen, 10 Schmuckstücke, 4 Rohstoffe und 21 nicht identifizierte Stücke) stammte aus dem Ort Pridna Vas unterhalb des Nachbarberges Resenik. Dieser Schatz wurde in der Zeit begraben, als die Terrassensiedlung auf Rogáč in Benutzung war (um 1200 – 1000 v. Chr.).

FRÜHE EISENZEIT – Stufe Ha D (600 – 500 v. Chr.)

Einige Keramikfragmente gehören zum jüngeren Abschnitt der frühen Eisenzeit (6. Jahrhundert v. Chr.). Der kurzdauerende Aufenthalt der Menschen auf dem Berg wird mit der Anwesenheit eines reiternomadischen skythischen Stammes in der Region Draulandschaft in Verbindung zu bringen. Nur 50 km östlich von Rogáč, in der unmittleren Umgebung des Dorfes Jalžabet in Kroatien, befanden sich zwei Grabhügel, die in den letzten Jahren archäologisch ausgegraben wurden. In dem großen Hügel befand sich die Asche eines skythischen Adligen mit den Trachten-Resten. Ein eingeäschertes Pferd mit einer symbolisch angebrachten offensiven (Pfeilspitzen) und einer defensiven (Schuppenpanzer) Kampfausrüstung wurde in dem kleineren Hügel begraben. Das Pferd war bestimmt das Eigentum des Verstorbenen aus dem großen Hügel. Beide Bestattungen fallen in die erste Hälfte oder in die Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr. Direkt neben den Hügeln befindet sich eine unerforschte skythische Siedlung.

Die Belege für die Ansiedlung der reiternomadischen Skythenstämme in der östlichen Alpenwelt werden am besten durch eine bronzene Gürtelschnalle mit einer Jagdszene aus einem der Gräber auf dem Molnik-Hügel, nicht weit weg von der slowenischen Haupttadt Laibach bestätigt. Dieses Grab stammt aus der Zeit zwischen dem Ende des 6. und dem ersten Viertel des 5. Jahrhunderts v. Chr. Der Gürtelschnallenmacher stellte einen Jäger mit Pfeil und Bogen, der Hose und Hemd trägt. Die Tracht des Jägers ist typisch für die Reiternomaden. Auf dem Kopf trägt er phrygische Mütze, die aus der näheren Umgebung von Schwarzen Meer stammt. Die Vorderseite des Grabes des persischen Königs Darius I. (522-486 v. Chr.) in Naqsh-e Rostam (Iran) zeigt Krieger, die 28 versklavte Völker repräsentieren. Die drei Krieger, die einzigen mit phrygischen Mützen, gehören drei skythischen Stämmen an.

SPÄTANTIKE, FRÜHMITTELALTER (4. – 10. Jahrhundert)

Spätantike Münzen, Keramikfragmente und zwei  steinerne Sarkophagen auf Rogáč zeugen von den Unruhen in der Region während der Spätantike und des frühen Mittelalters (4. – 10. Jahrhundert). Die umfangreiche Völkerwanderung in ganz Europa, die nicht friedlich verlief, endete mit der Ansiedlung von reiternomadischen Ungarn in der Pannonischen Tiefebene. Am Übergang vom 10. zum 11. Jahrhundert tauchten in der Draulandschaft slawische Elemente der Belo Brdo Kultur auf, die den Beginn der Ethnogenese der Slowenen in der Steiermark einläuteten. Auf zwei Terrassen der Siedlung Dvor wurden Reste eines Topfes, von Ende des 10. bzw. dem Beginn des 11. Jahrhundert gefunden. Die Datierung dieses Topfes stimmt mit der radiometrischen Datierung eines Holzstückes von einer archäologisch ausgegrabenen Terrasse (zwischen 973 und 1049) überein.

Die Anwesenheit der Altslowenen auf dem Berg und in seiner Umgebung spiegelt sich in zwei altslowenischen Toponymen wider: Rogáč für den Berg und Dvor für die Terrassensiedlung. Der männliche Personenname Rogáč für den Berg und der weibliche Personenname Rogatnica für den Bach und den Weiler im Tal weisen auf die Möglichkeit der Existenz slawischer Mythologie in der Landschaft hin, in der der christliche Glaube bereits etabliert war. Von der Stelle, an der einst die Burg (Rogački grad) über der heutigen Stadt Rogatec stand, ist der Südhang vom Donatiberg mit drei markanten Gipfeln (Hörnern) deutlich zu sehen. Ist Rogáč ein Symbol für die höchste Gottheit Triglav (dt. Dreikopf), die am himmlischen Hof lebt? Vielleicht verkörpern die drei Gipfel von Rogáč die Dreifaltigkeit aus dem slawischen Hauptmythos Perun – Mokoš – Veles?

DAS MITTELALTER UND DAS NEUE ZEITALTER (11. – 19. Jahrhundert)

Die jüngsten Funde sind zwei Fragmente von Keramikmündungen, die aus dem 13. bis 15. Jahrhundert stammen. Im Falle des Fluchtorts lässt sich diese Keramik mit der Invasion der Reiternomaden aus dem Osten in Verbindung bringen.

Damals säten die Türken hier Angst und Elend. 1396 verwüsteten die Türken erstmals die Drautiefebene und verschleppten rund 16.000 Steirer. Auf dem Gipfel des Berges wurde in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts ein Wachposten gegen türkische Einfälle errichtet. Der Wachposten ist auf der josephinischen Militärkarte von 1785 abgebildet. Von der Spitze des Berges wurde die Bevölkerung aus der näheren und weiteren Umgebung mit Signalfeuer und Mörserschüssen über die Gefahr alarmiert. Zwieschen 1716 und 1719 wurde die Kirche St. Donát gebaut. Diese wurde 1741 durch einen Blitz, der 59 von mehr als 300 verletzten Pilgern in den Tod rieß, schwer beschädigt. 1743 begann die Restaurierung und am 10. November 1743 wurde die Kirche eingeweiht.

NEUZEIT (20. Jahrhundert)

Die jüngsten Eingriffe auf Rogáč stellen Steinbrüche dar, in denen Steinmetze Steine ​​für die Herstellung von handgefertigten Handmühlen  abbauten. Dies waren lokale Handwerker, die auf Bauernhöfen in der Umgebung von Rogáč lebten. Die Anfänge dieses Handwerks liegen noch im Dunkeln. Wir gehen davon aus, dass das Handwerk irgendwo um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert entstanden ist, da wir in den schriftlichen Quellen des 18. und 19. Jahrhunderts keinen einzigen Hinweis auf die Existenz von Steinbrüchen, Steinmetzen oder Handwerkern haben. Der letzte Steinmetz, Jakob Polajžer, geboren 1943, erwähnte in einem Interview mit Boštjan Odar am 11. Juli 2020 drei Generationen von Steinmetzen.

Wahrscheinlich war der erste Hersteller von Handmühlen der Meister Anton Vreš, der ganz in der Nähe der Kirche St. Donat lebte. Bei Bedarf stellte Steinmetz Vreš auch zehn oder mehr Gehilfen ein, so dass von fast jedem Bauernhof auf der Südseite von Rogáč ein Hilfssteinmetz kam. Die zweite Generation wird von den Brüdern Štefan (1912-1960) und Vinko Kitak (1917-2000) repräsentiert, die wie ihr Vater Anton Kitak das Handwerk von Meister Vreš erlernten. Vinko Kitak heiratete später die Tochter von Anton Vreš. Die letzte Generation der Steinmetz-Handwerker wird von Jakob Polajžer vertreten, der 1965 in das Haus des damals verstorbenen Štefan Kitak einzog. So erlernte Jakob das Handwerk als Assistent von Vinko Kitak. Das Schmieden war ein notwendiger Bestandteil des Steinmetzhandwerks, da die Steinmetze die erforderlichen Stahlwerkzeuge selbst herstellten und reparierten. In den Steinbruchgebieten bauten Steinmetze Terrassen, auf denen sie Notunterkünfte errichteten. Aufgrund der harten Arbeit übernachteten sie oft in diesen Hütten und ersparten sie sich dadurch die schwere Anreise. Dieses Handwerk starb 1970 aus.