Geschichte der Forschung
DER ERSTE ANTIKE SARKOPHAG
Andreas Schmutz (Pfarrer in Rogatec 1723-1749)
Der erste Sarkophag mit Relief und Inschrift wurde am 3. Mai 1743 gefunden. Der Pfarrer von Rogatec, Andreas Schmutz, übermittelte die Fundnachricht an seinen 24-jährigen Neffen Paul Hieronim Schmutz, der damals in Graz Theologie studierte. 25 Jahre später wurde ein Teil dieses Briefes von Julius Caesar Aquilinius im 1. Band der Annales Ducatus Styriae veröffentlicht. In dem Brief lesen wir, dass ein Steinmetz aus Markt Rogatec an diesem Tag nach Rogáč ging, um einen geeigneten Stein für sein Handwerk zu suchen. Mitten am Berg, began er nach den Steinen zu graben, dabei stieß er auf einen kunstvoll, mit Figuren, verzierten Sarkophag. Im Sarkophag waren verwesende Knochen und ein Schädel zu finden. Am Kopf des Verstorbenen wurde eine Inschrift mit den Namen zweier Verstorbenen eingraviert: AI · MASCULUS · AI · AVITA · C · PIA. Der genaue Fundort des Sarkophags ist nicht bekannt, ebenso wenig wissen wir über seine Größe. Was mit dem Sarkophag nach der Entdeckung geschah, ist ebenfalls unbekannt.
Die Entdeckung des Sarkophags könnte in Verbindung mit der Restaurierung der Kirche St. Donat auf Rogáč stehen. In einem schweren Sturm am 6. August 1741 wurde die Kirche durch einen Blitz schwer beschädigt und 59 Menschen kamen ums Leben. Die Renovierung begann 1743, unmittelbar nach dem Bau von zwei Kirchen im Markt Rogatec. Zwischen 1730 und 1738 wurde die Kirche St. Hyazinthen gebaut. Dann wurde 1738 die baufällige Pfarrkirche St. Bartholomä abgerissen und 1743 eine neue errichtet. Wir gehen davon aus, dass der von Schmutz erwähnte Steinmetz am Bau der beiden Kirchen und an der Renovierung der Kirche St. Donat beteiligt war. Die restaurierte Kirche St. Donat wurde am 10. November 1743 eingeweiht.
DER ZWEITE ANTIKE SARKOPHAG
Anton Centrih (Pfarrer in Rogatec 1862-1886)
1862 übernahm Anton Centrih die Pfarrei in Rogatec. In dieser Zeit wurde auf Rogáč ein zweiter Sarkophag entdeckt, der sich wahrscheinlich in der Nähe des ersten Sarkophags befand. Anton Centrih beschrieb die Umstände der Entdeckung im Detail. Der grobe Sandsteinsarkophag war zum Zeitpunkt seiner Entdeckung mit einer Steinabdeckung bedeckt. Die innere Oberfläche war 5 x 2 Fuß (ungefähr 150 cm x 60 cm). Die meisten Knochen zerfielen kurz nach dem Öffnen des Sarkophags. Darin befand sich eine Münze von Kaiser Konstanz (337-350 n. Chr.). Unter dem Sarkophag lag ein kleines grob-geschnitztes Genius, ebenfalls aus Sandstein. Der Sarkophag wurde ins Tal unter Rogáč überführt und an die Wand von St. Georg Kirche gestellt. Später wurde der Sarkophag an der Südseite der Kirche vergraben.
Die Entdeckung des Sarkophags veranlasste Centrih zu weiteren Forschungen am Berg. Nach Centrihs Tod im Jahr 1886 schickte der Priester Johann Vraz Centrihs Aufzeichnungen über die Forschungen über Rogáč und gefundene römische Münzen an den Historiker Ignacij Orožen in Marburg/Drau. Diese Gegenstände gingen nach dem Tod von Orožen im Jahr 1900 verloren.
SIEDLUNG DVOR
Anton Kores (Einheimischer aus Rogáč, 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts)
Ignacij Orožen (Pfarrer in Rogaška Slatina in den Jahren 1865-1867 und Historiker)
Zum Zeitpunkt der Entdeckung des zweiten Sarkophags war die Erinnerung an die Entdeckung des ersten Sarkophags unter den Einwohnern unter Rogáč wahrscheinlich noch lebendig. Ein sehr sachkundiger Landwirt aus Rogáč, Anton Kores, berichtete Folgendes:
Am Südhang des Donatiberges, zwischen der Spitze desselben und der Donatikirche erheben sich gewaltige, thurmartig geformte Felsenmassen. Mitten darin und umschlossen von diesen Felsen breitet sich ein Terrain Erdreichs in einer Fläche von 12 bis 16 Jochen. Dieser so umschlossene Raum wird Dvor (zu deutsch Hof) genannt. Den Eingang zu diesem Hof vermitteln 3 zu 2 Klafter breite durch die Felsen Künstlich durchgebrochene Thore. Im Dvor (Hofe) selbst sind Spuren von ehemaligen Wohngebäuden, welche in größerer Anzahl und Straßenweise geordnet vorhanden gewesen sein mußten. Dies war die Stadt (mesto) oder die Festung am Rohitcher- oder Donatiberge. Gefunden wurden darin Munzen, Pfeile und Schlacken.
Die Aussage von Anton Kores wurde durch den Historiker Ignacij Orožen ergänzt:
Villeicht, das man hier in diesen Felsenneste einen Versteck oder ein Kastel gehabt hat und daß die früher erwähnte Römerstraße zu diesem Verstecke oder in dessen Nähe geführt hat. Diese Ansiedlung am Donatiberge deutet auf die Zeit der Völkerwanderung, welche zur Zeit des Kaisers Gratianus (376 – 383) in Bewegung gerathen ist.
Die Hauptquelle der archäologischen, historischen und topographischen Informationen über Rogáč und seiner Umgebung ist das siebte Buch des umfangreichen Werkes Das Bisthum und die Diözese Lavant, das 1889 vom steirischen Pfarrer und Historiker Ignacij Orožen herausgegeben wurde. Das Buch befasst sich mit der Vergangenheit der Pfarrei Rogatec. Orožen kannte den Berg gut, da er während seines Dienstes in Rogaška Slatina sicherlich mit dem berühmten Wiener Arzt Ernest Frölich zusammen kam, der für seine angesehenen Kurgäste aus ganz Europa Ausflüge zu Rogáč organisierte.
NACH DER PAUSE
Stanko Pahič (Landesmuseum Marburg/Drau, 1950-1970)
Slavko Ciglenečki (Institut für Archäologie, ab 1970)
Nach einer langen Pause, die von den beiden verheerenden Weltkriegen geprägt war, erregte der Berg Rogáč wieder die Aufmerksamkeit von Stanko Pahič, den Vertreter der ersten Generation der Nachkriegsarchäologen.
Erst ab den 1970er Jahren beschäftigte sich Slavko Ciglenečki ausführlicher mit dieser Thematik. In den frühen 1970er Jahren hat er östlich der Kirche St. Donat im neuen Wegabschnitt einige Stücke prähistorischer und spätantiker Keramik, sowie Spuren von Holzkohle gefunden. Daher vermutete er an dieser Stelle die Existenz einer prähistorischen und spätantiken unbefestigten Höhensiedlung. Diese Annahme wurde durch archäologische Forschungen noch nicht bestätigt.
Während des Rundgangs am extrem steilen, terrassenförmigen Hang von Dvor fand Ciglenečki 1996 neben einem umgestürzten Baum Fragmente der prähistorischen und spätantiken Keramik. Bei weiteren Untersuchungen fand er vor allem Fragmente spätantiker Rohküchenkeramik. Daher ging er davon aus, dass die Bewohner der angeblichenen Siedlung jedes Mal vor der direkten Bedrohung in den sicheren Unterschlupf von Dvor flüchteten.
NEUER ANSATZ
(2006-2016)
Gemeinde Rogatec – Institut für Tourismus Landesmuseum von Celje
Nationalmuseum von Slowenien
Umweltagentur der Republik Slowenien (ARSO)
Im Jahr 2006 entdeckte Matej Dasko, ein unabhängiger Forscher, über 150 Keramikfragmente auf einer der Terrassen in Dvor, die erstmals ein Jahrhundert zuvor von Anton Kores erwähnt wurden. Der Archäologe Boštjan Odar platzierte diese, meist Töpferwaren, in die späte Bronze- und frühe Eisenzeit. Nach der Veröffentlichung von Luft-LIDAR-Vermessungsdaten für das Gebiet von Rogáč im Jahr 2016 führte ein Team von Archäologen im selben Jahr eine Testgrabung auf dieser Terrasse durch.
Der Testgrabung folgte eine Kabinettsstudie des archäologischen Materials. Die bescheidene Forschung hat gezeigt, dass die Menschen in Dvor sichinder Spätbronzezeit, Früheisenzeit, Spätantike, Früh- und Hochmittelalter aufhielten. Auch später war Dvor bis heute ununterbrochen in Gebrauch.
Im 16. Jahrhundert wurde auf dem Gipfel des Berges ein Wachhaus gegen die Türken eingerichtet. Dieses stand da noch am Ende des 18. Jahrhunderts, wie aus der 1. Militärkarte zu lesen ist. Zwischen 1716 und 1719 wurde die Kirche St. Donat durch einen Blitz schwer beschädigt, dabei kamen 59 Pilger ums Leben. 1743 begann die Restaurierung und am 10. November 1743 wurde die Kirche eingeweiht. Der letzte große Eingriff an dem Berg am Ende des 19. oder Anfangs des 20. Jahrhunderts sind die Steinbrüche, in denen lokale Steinmetze Handmühlen rausschlugen, die in fast jedem Haus weit und breit im Einsatz waren.